Das Märchen vom Ausruhen in der ’sozialen Hängematte‘

DIE SOZIALE HÄNGEMATTE …

Der Bezug von Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch verführt überwiegend zur Bequemlichkeit – sollte man meinen.

Dabei wird die Überzeugung geäußert, daß es so etwas wie eine soziale Hängematte gäbe, und daß sich arbeitsfähige MitbürgerInnen im Bezug von Sozialhilfe (heute: ALG2) darin ausruhten. Die Standardökonomie spricht dabei gern von einer sog. Armutsfalle oder Sozialhilfefalle. Auf der Grundlage dieser Vermutung ist das Konzept der Aktivierenden Sozialhilfe entstanden.

Inzwischen ist sogar von „staatlich bezahlter Faulheit“ die Rede, so nachzulesen in einem WELT-Artikel zehn Tage nach der Bundestagswahl 2009. In ähnlicher Form legt die neugewählte Bundesarbeitsministerin von der Leyen im Januar 2010 nach – weitere Meldungen dieser Art.

.. ERSCHEINT IRGENDWO LOGISCH, ABER …

Nun, das klingt alles irgendwie logisch, und das mögen manche auch felsenfest glauben – aber es stimmt nicht ….

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HINWEIS: Studie widerlegte bereits 2002 die sog. ‚Soziale Hängematte‘

Sachinformation zur Hartz IV-Reformdiskussion für die Medien und sozialpolitisch interessierte Organisationen, Gruppen und Personen:

Im Jahr 2002 widerlegten Sozialwissenschaftler die Theorie der sog. Armutsfalle bzw. sozialen Hängematte. Textverweise zu dem brisanten Gesellschaftsthema in dieser Kurzmitteilung.

Interview über das Ergebnis der „Hängematten-Studie“, UNI-Leipzig

Soziologe Professor Georg Vobruba, August 2003:

„In der Standardökonomie wird die These von der Armutsfalle vertreten, (Erläuterung). An dieser Stelle hören viele einfach mit dem Denken auf und sagen: So ist das.

Will man wissen, wie Menschen handeln, muss man sie anschauen und ihnen nicht irgendwelche Handlungslogiken wie Kuckuckseier unterschieben. Es gab zwar eine Reihe ähnlicher Untersuchungen. Aber genau auf den Punkt bezogen, wurde es – jedenfalls in Deutschland – noch nie.

Die Standardökonomie – stützt sich, höflich gesagt, vornehmlich auf Axiome (sinngemäß: Annahmen) und daraus abgeleitete Schlussfolgerungen. Und eines der Axiome lautet: Bei unzureichendem zusätzlichem Einkommen wird Arbeitskraft nicht angeboten.

Man folgert daraus, dass bei einem geringen Unterschied zwischen beiden „Einkommen“ doch niemand arbeiten wird. Nur, die Menschen arbeiten trotzdem.

Zum Glück verfügen wir seit 1984 mit dem Sozio-Ökonomischen Paneel über einen komplizierten, aufwändigen, guten Datensatz in der Bundesrepublik, der es uns erlaubt hat, exakt hinzuschauen. Und siehe da: Die überwiegende Anzahl der Sozialhilfeepisoden ist ziemlich kurz. Die Leute verlassen also das Sozialhilfesystem.

Anders gesagt: Die allermeisten Leute gehen auch dann arbeiten, wenn die zustehenden Lohnersatzleistungen relativ nah am beziehbaren Lohn liegen…“

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1 Response to “Das Märchen vom Ausruhen in der ’sozialen Hängematte‘”


  1. 1 Hängematte Joe Februar 25, 2010 um 3:05 pm

    Jeder der mal gesehen hat wir Hartz IV empfänger zum Teil wirklich leben weiss, dass es zum Teil in der sozialen Hängematte nicht so lustig ist. Zum Teil werden Wohnungen an Hartz IV Empfänger gegeben die weit weniger m2 haben als eigentlich im Mitvertrag angegeben sind. Da zahlt der Staat und der Hartz IV Bezieher lebt zum teil schon in unwürdigen Zuständen…


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